Bildung, Kultur und Identität: Philosophische Reflexionen zur europäischen Identität

Bildungsurlaub in Italien

Nr. W8918 | Frei:

Reiseleitung Harald Graf

Kategorie Studienreisen

Termine 10.04.22 - 17.04.22

Entgelt 755 € Entgelt (EZ)

690 € Entgelt (DZ)

Art Bildungsurlaub

 

Bildung wird häufig mit Kultur und Identität zusammengedacht (z.B. Manfred Fuhrmann: Bildung. Europas kulturelle Identität). Die Intention des Seminars ist es, den verschiedensten Facetten dieser Konzepte nachzugehen und ihre Überlappungen aufzuspüren, durchaus auch gegen den herrschenden Zeitgeist. Dabei werden einerseits unterschiedliche Positionen der Philosophiegeschichte fruchtbar gemacht, die auch heute noch relevant sind, andererseits findet die Auseinandersetzung stets vor dem Hintergrund prominenter aktueller Zeitdiagnosen und Gesellschaftsanalysen statt (Z.B. "Das Ende der Illusionen", 2019, Andreas Reckwitz). Philosophen werden nicht wie an einer Perlenkette aufgereiht, dienen nur der Personifizierung möglicher Positionen, sind nicht Selbstzweck. Der Fokus liegt also auf dem Thema, nicht auf einzelnen Philosophen.

Zielgruppe: Das Seminar richtet sich an alle, die philosophisch vertieft über Bildung, Kultur und Identität in ihrer Verzahnung mit Politik und Gesellschaft nachdenken wollen. Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich - wer solche hat, wird gleichwohl auf seine Kosten kommen.

Vorbereitungstreffen: Das Seminar beginnt mit einem vorbereitenden Treffen, das seperat eingelden wird. Wir wollen uns dem Thema nähern, Erwartungen austauschen und vorbereitende Lektüren absprechen. Das Treffen dient auch dazu, sich kennenzulernen und für die Fahrt nach Salerno ggf. Fahrgemeinschaften zu organisieren.

Veranstaltungsort (Änderungen vorbehalten): Das Ave Gratia Plena ist ein zum Hotel umgewidmetes Kloster, dessen Kreuzgang und Gemäuer ein natürliches Ambiente für die philosophische Reflexion bieten. Salerno ist ein malerischer und geschichtsträchtiger Ort, symbolträchtig für den Kurs außerdem durch den Sitz der Stiftung (samt Museum) "Giambattista Vico", welcher als erster einen komplexen Kulturbegriff herausgearbeitet und systematisch Kulturvergleiche angestellt hat. In der Nachbarschaft befindet sich auch Neapel, das im Kurs thematisiert wird.

Anreise: Die Anreise ist individuell zu Organiseren und zu uchen. Beim Vorbereitungstreffen gibt es aber gemeinsame Absprachen. Eine Anreise bis Sonntag, 17 Uhr wird empfohlen.

Reiseleitung: Harald Graf arbeitete vierzehn Jahre in Schweden als Hochschul- und Gymnasiallehrer, wo er auch mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit promovierte, und unterrichtet seit elf Jahren an einem Gymnasium in Rüsselsheim Deutsch, Philosophie und Ethik.

Programm (Änderungen vorbehalten):

Tag 1 Ankunft bis 17 Uhr
Zuteilung der Zimmer - Kaffee und Klärung organisatorischer Fragen - Abendessen gemeinsam oder individuell.

Tag 2 Was ist Bildung? Thematische Hinführung
* Abriss einer Geschichte der Bildungskonzepte - folgt in etwa Manfred Fuhrmann: "Bildung. Europas kulturelle Identität". Dient zunächst dazu, bei unterschiedlichem Vorwissen eine gemeinsame Ausgangsbasis zu schaffen. (Vortrag Seminarleiter, Fragen, Brainstorming, Gespräch)
* Im Vortrag werden jedoch schon mehrere Impulse gesetzt, bei welchen länger verweilt wird, z.B. das Problem des Kanons, die deutsche Besonderheit des Begriffspaares "Kultur" und "Bildung", Hoch- und Trivialkultur, Kitsch, Erlebniskultur (Gerhard Schulze), die Krise der Geisteswissenschaften, Leitkultur. (Impulse durch Seminarleiter, Diskussion im Plenum)
* Orientierungsgang in Salerno, Führung Seminarleiter
* Gemeinsames Abendessen in Salerno

Tag 3 Bildung und Charakter
-Was ist ein Charakter? Konzepte der Charakterbildung (Schiller, Aristoteles) und ihr Zusammenhang mit gesellschaftlichen und politischen Weichenstellungen.
Was ist ein "gebildeter Mensch"? (Lehnt sich an Robert Spaemann "Wer ist ein gebildeter Mensch" an).
-Gegenwärtige Tendenzen, die einer Charakterbildung im Wege stehen können (siehe Reckwitz, Die Krise des spätmodernen Individuums, in: Das Ende der Illusionen; Richard Sennett: Der flexible Mensch)
(Vortrag und Impulse Seminarleiter, Diskussion im Plenum)

Ist Bildung und Kultur relativ?
-Einige kulturkritische Positionen und Thesen werden vorgelegt (Rousseau, Nietzsche, Freud)
-Lässt sich der negative Befund, dass Kultur relativ ist, ummünzen in ein anderes Bildungskonzept? Stichworte und Positionen, die es gedanklich zu erproben gilt, sind der freie Mensch Nietzsches, die ironische Existenz Rortys, die Idee der Selbsterschaffung (Sloterdijk).
(Vortrag, Impuls, Diskussion)
-Die Kehrseite einer solch liberalen Auffassung ist die Doktrin der Selbstfindung, welche kritisch reflektiert wird.
(Impuls, Diskussion)

Möglichkeit eines gemeinsamen Abendessens und gemeinsamer Ausklang für gedanklich Liegengebliebenes.

Tag 4 Reisen und Bildung - Bildungsreisen
- Einführung und historischer Überblick (Vortrag Seminarleiter) - einzelne Fragen, wie die, ob Bildungsreisen heute überhaupt noch möglich sind, werden dabei diskutiert.
-An zwei prominenten Beispielen sollen unterschiedliche Konzepte der Bildungsreise vorgestellt werden, welche beide ein neues Sehen und Denken propagieren, bzw. ein Sehen und Denken verbindendes Wahrnehmen:
Goethe: Neapel, in: Italienische Reise
Walter Benjamin: Neapel, in: Städtebilder
(Impulse durch Seminarleiter, Diskussion Plenum, hier wären Gruppenarbeiten möglich)
Fahrt nach Neapel - Führung durch Seminarleiter - individuelles Erkunden -
Treffen zum Austausch von Gesehenem und zum gemeinsamen Abendessen.

Tag 5
Kulturelles Unbehagen - kultureller Niedergang
- Herrscht ein kulturbedingtes Unbehagen? - eine Vielzahl von Publikationen scheinen darauf hinzuweisen: Taylor: Das Unbehagen an der Moderne; Alain Ehrenberg: Das erschöpfte Selbst; Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft - und wenn ja, welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen, sowohl individuell als auch gesellschaftlich? (Vortrag, Impulse, Diskussion)
-Häufig hört man sagen: Früher war alles besser. Gibt es denn so etwas wie einen kulturellen Verfall? Mithilfe einiger Positionen - z.B. Kulturkreistheorien, aber auch gegenwärtige Vergleiche der Gründe des Niedergangs des alten Roms mit Tendenzen der Gegenwart - wird über diese Möglichkeit nachgedacht. (Vortrag, Impulse, Diskussion)

Möglichkeit eines gemeinsamen Abendessens und gemeinsamer Ausklang für gedanklich Liegengebliebenes.

Tag 6 Kultur und Identität
-Hyperkultur und Kulturessenzialismus (Andreas Reckwitz): Es sei der Versuch gewagt, die zwei gesellschaftlichen Lager (Klassen, laut Reckwitz), in welche die westliche Welt gespalten ist und welche unversöhnlich nebeneinanderstehen, als zwei Kulturen wahrzunehmen und zu respektieren: Hyperkultur und Kulturessenzialismus. Sein Vorschlag der Überwindung der kulturellen Spaltung, durch einen Kulturuniversalismus, soll geprüft werden.
(Vortrag, Impulse Seminarleiter, Diskussion)
-Es soll zur Diskussion gestellt werden, ob es eine kulturelle Identität - in Anlehnung an Francois Jullien "Es gibt keine kulturelle Identität", 2017 - gibt. (Vortrag, Impulse Seminarleiter, Diskussion)


Tag 7
Kann nach Übereinkunft mit den Teilnehmern genutzt werden für Exkursionen, im Alleingang oder zusammen, eventuell geführt durch Seminarleiter, oder zur gedanklichen Vertiefung der Themen.

Tag 8 Abreise

Leistungen:
* Seminarprogamm inkl. Reader und Material // Bildungsurlaub (Umfang 5 Tage)
* / übernachtungen in Hotel mit Frühstück
* Vorbereitungstreffen