Antisemitismus, Judenverfolgung und Rettungswiderstand in Frankreich 1939-1945

Bildungsurlaub im FIEF La Bégude - de Mazenc - Provence (Südfrankreich)

Nr. W7716 | Frei:

Seminarleitung Bernd Heyl

Seminarleitung Helga Roth

Seminarleitung Elke Möller

Kategorie Studienreisen

Termine 03.10.20 - 10.10.20

Entgelt 755 € Entgelt EZ

740 € Entgelt DZ

Art Bildungsurlaub

 

Der Bildungsurlaub beschäftigt sich mit dem europäischen, nationalen und regionalen Kontext der Judenverfolgung im südlichen Frankreich. Exemplarisch werden die Erinnerungsorte Camp des Milles bei Aix en Provence und die Gedenkstätte Izieu besucht. Wir wollen über die individuelle und kollektive Verantwortung für Geschichte nachdenken und mit einem Besuch der Synagoge von Marseille den Blick auf aktuelle Probleme mit Rassismus und Antisemitismus richten. Das Seminar findet in Kooperation mit der "Stiftung Alte Synagoge Rüsselsheim" statt.

Den Seminarteilnehmer_innen wird ein Reader mit ausgewählten Texten zum Thema zur Verfügung gestellt. Wie im FIEF üblich werden französische Gesprächspartner*innen in die Seminargestaltung einbezogen.

Änderungen dieser Planung behalten sich die Organisator*innen vor.
Die Anerkennung als Lehrerfortbildung sowie die Anerkennung als Bildungsurlaub ist im Umfang von 5 Tagen beantragt.

Widerstand ist individuelles Verhalten und Handeln, beides geschieht nicht voraussetzungslos. Uns interessiert, unter welchen Bedingungen und an welchen Orten Menschen fähig und in der Lage waren, sich widerständig zu verhalten. Im Süden Frankreichs ermöglichte eine geschichtlich begründete Kultur der Widerständigkeit das Überleben von Verfolgten und Exilierten. Ein besonderes Kapitel ist die Rettung von ca. 10.000 jüdischen Kindern. Damit wollen wir uns intensiver beschäftigen. In der abgelegenen für die NS-Besatzer nur schwer zugänglichen Region Dieulefit wurden während des Krieges 1500 Menschen vor dem Zugriff ihrer Verfolger beschützt.
Das Seminar selbst findet in der von Ernest Jouhy gegründeten deutsch-französischen Begegnungsstätte FIEF in La Bégude-de-Mazenc, einem sehr schön erhaltenen mittelalterlichen Dorf der Drôme Provençale, statt. Die Unterkunft erfolgt in einfachen Zweibettzimmern, das Essen ist vorzüglich und die provenzalische Atmosphäre verspricht den Teilnehmer/innen eine neue Sicht der Dinge.

Die Bildungsgesellschaft der hessischen GEW, lea, organisiert das Seminar in Kooperation mit der Stiftung Alte Synagoge Rüsselsheim. Die Anerkennung als Lehrerfortbildung und Bildungsurlaub wird beantragt. Den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern wird ein Reader mit ausgewählten Texten zum Thema zur Verfügung gestellt. Wie im F.I.E.F. üblich werden französische Gesprächspartner/innen in die Seminargestaltung einbezogen.


Programm der Seminarwoche

Samstag, 3.10.20
Bis 19.00 Uhr Anreise, Begrüßung und Zimmerverteilung. Im Anschluss: Abendessen

Sonntag, 4.10.20
Vormittags: Kennenlernen des FIEF und seiner Umgebung.
Wir beschäftigen uns mit der Biografie Ernest Jouhys, insbesondere mit seiner Tätigkeit als Heimerzieher und aktiver Mitstreiter in der Résistance.


Nachmittags: Zwischen 1930 und 1945 war Frankreich ein Zufluchtsort für viele jüdische Migranten. Um die Lage der nach Frankreich Geflohenen verstehen zu können setzen wir uns mit der wechselvollen politischen Entwicklung Frankreichs zwischen 1930 und 1945 auseinander. Dies schließt eine Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in Frankreich ein.
Mit dem Film "Die Kinder kamen nicht zurück" wird die Exkursion nach Izieu vorbereitet.


Montag, 5.10.20
Die ganztägige Exkursion führt uns in das "Musée d´Izieu mémorial des enfants juifs exterminés", in Izieu. Es befindet sich auf dem Anwesen des Kinderheimes, dessen Kinder am 6. April 1944 im Auftrag von Klaus Barbie nach Auschwitz deportiert wurden. An diesem Ort kreuzen sich deutsche und französische Geschichte, Résistance und Kollaboration. Wir werden an Hand von Zeichnungen und Briefen der Kinder Einblick in ihren Alltag und ihre Form der Verarbeitung erhalten und uns mit der Organisation OSE sowie dem Barbie-Prozess und seinen Auswirkungen auf das deutsche und das französische Geschichtsverständnis auseinandersetzen.


Dienstag, 6.10.20
Vormittags: Reflexion der Exkursion nach Izieu, Vorbereitung der Exkursion nach Les Milles.
Vortrag von Bernard Delpal (angefragt) zum Rettungswiderstand in der Drôme.

Nachmittags: Wanderung über die Passhöhe von Vesc zu Orten des Widerstandes. (Abwurfplatz, Berghütte von Louis Aragon und Elsa Triolet)


Mittwoch, 7.10.20
Besuch der Gedenkstätte "Camp des Milles". Im Lager Les Milles wurden zwischen 1939 und 1942 mehr als 10.000 Menschen interniert, von ihm aus wurden mehr als 2000 jüdische Männer, Frauen und Kinder nach Auschwitz deportiert. Die Gedenkstätte thematisiert die Beteiligung des Vichy-Regimes an der NS Vernichtungspolitik und präsentiert Inhalte auf einem aktuellen Stand der Gedenkstättenpädagogik.
Nachmittags: Gespräch mit einem Vertreter/einer Vertreterin der jüdischen Gemeinde Marseilles zur aktuellen Lage der jüdischen Bevölkerung Frankreichs.


Donnerstag, 8.10.20
Vormittags: Der Vormittag ist für die Auswertung der Exkursion vorgesehen. Nach einer Aussprache über die allgemeinen Eindrücke werden die Schwerpunktthemen in Gruppen vertieft. Es sollen Fragen nach dem französischen Verhältnis zur "Kollaboration", die Frage ob es einen originär "jüdischen" Widerstand gab, und die Frage, warum Barbie so lange seiner Strafe entgehen konnte, thematisiert werden.

Nachmittags: Über die Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich und über Verfolgung und Widerstand gibt es eine Vielzahl von Romanen und Berichten. Zunächst werden wir uns in Kleingruppen mit einzelnen Texten auseinandersetzen. Die Auswahl der Literatur erfolgt im Verlauf des Vorbereitungstreffens

Freitag, 9.10.20
Vormittags: Besuch der Schule von Beauvallon. Am Ort des Geschehens wollen wir die Frage vertiefen, wie der zivile Widerstand in Dieulefit organisiert war und vor welchem sozialen, gesellschaftlichen und religiösen Hintergrund er erfolgreich sein konnte. Anne Lachens (angefragt) wird über den zivilen Widerstand, der jüdischen Flüchtlingen und verfolgten französischen Juden Schutz bot, am Beispiel der Schule von Beauvallon berichten.

Nachmittags: Reflexion der Seminarwoche. Vor dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen soll der Frage nachgegangen werden, wie Menschen zu politisch verantwortungsbewussten Subjekten und zu widerständigem Handeln befähigt werden.

Schlussrunde zum Seminarverlauf

Samstag, 10.10.20

Abreise nach dem Frühstück

(Die Veranstalter behalten sich Änderungen im Seminarablauf vor. )

Zielgruppe:
Zunächst einmal richtet sich das Seminar an alle diejenigen, für die die Geschichtlichkeit ihrer eigenen Existenz ein Thema ist und die sich insbesondere für die deutsch-französische Geschichte und unsere Leitfrage, was befähigt Menschen zum Widerstand, interessieren. Neben Lehrerinnen und Lehrern könnten dies Schüler/innen und Student/innen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lokaler Initiativen (Gedenkstätten, Stolpersteine, Geschichtswerkstätten, Studienkreis deutscher Widerstand...) oder von Museen sein.

Leistungen:
- 7 Übernachtungen inkl. Vollpension
- pädagogische Seminarleitung
- qualifierierte deutsche Reiseleitung
- Transport im Reisebus vom FIEF nach Marseille
- Vorträge, Eintritte und Rundgänge

Bei Bedarf wird Kinderbetreuung/Rahmenprogramm für Jugendliche organisiert.

Leitung: Bernd Heyl war Lehrer (IGS) und Vorsitzender des Gesamtpersonalrats beim SSA GG-Maintaunus. Elke Möller, war beschäftigt bei der Stadtverwaltung Rüsselsheim mit unterschiedlichen Aufgaben, schwerpunktmäßig im Gebiet Frauen- und Chancengleichheit und interkultrelle Arbeit. Aktuell u.a. engagiert im Vorstand der Stiftung Alte Synagoge Rüsselsheim. Helga Roth ist Französisch-Leherin und Leiterin der schulbibliothek an einer IGS.